Gold für die Gold

Wie ich bereits erwähnte, stand in naher Zukunft ein Ball für mich an. Die nahe Zukunft war vorgestern.
Am Freitagabend war ich mit meinen Freundinnen und vielen anderen Bekannten auf einem Ball im Congress Centrum in Hamburg. Er findet einmal im Jahr statt und ist für viele von uns Schülern ein großes und besonderes Ereignis, besonders, wenn man debütiert. Ich weiß noch, dass ich letztes Jahr ganz schrecklich aufgeregt war, als ich debütieren sollte. Glücklicherweise vertanzte ich mich nicht großartig (jedenfalls bemerkte es keiner), niemand trat mir auf die Füße und mein Kleid blieb auch heil.

Und auch wenn ich dieses Jahr nicht zu den Debütanten gehörte, war ich doch wieder sehr aufgeregt, denn schon drei Monate vorher stellte ich mit die Frage: Was ziehe ich an?
Da ich letztes Jahr ein wenig zu wählerisch war, bestellte ich mein Kleid erst eine Woche vor dem Ball und es kam einen Tag vorher an. Natürlich passte es nicht richtig und ich musste notgedrungen eine kleine Strickjacke tragen (in welcher mir viel zu warm war) damit man die 98349 Sicherheitsnadeln, welche auf der Rückseite des Kleides befestigt waren, nicht sehen konnte.
Dieses Jahr war ich also ein wenig schneller und fing auch früher an, mich nach einem Kleid umzusehen. Ich hatte dieses mal “nur” zwei Kriterien: Rücken und Dekolleté müssen bedeckt sein. Nicht, weil ich irgendwelche Prinzipien verfolge, welche das verbieten, sondern einfach, weil ich es schöner finde. Ich finde rückenfreie oder tiefer ausgeschnittene Kleider bei anderen Mädchen durchaus sehr schön, an mir sehe ich es aber nicht gerne.
Ich dachte, dass es sicher nicht so schwer sein würde, ein solches Kleid zu finden, aber HA!, falsch gedacht: Die meisten Kleider, welche so geschnitten sind, aber trotzdem schick und für einen Ball geeignet sind, kosten gerne mal an die 200€.
So viel Geld für ein Kleid, welches ich vermutlich in den nächsten zwei Jahren nicht noch mal anziehen würde, war mir dann doch entschieden zuviel.

Vor einiger Zeit fand ich ein goldenes Pailettenkleid, mit zwei schwarzen Stoffteilen, welche seitlich angebracht waren. Ich war sofort total verliebt, jedoch war es mir zu diesem Zeitpunkt einfach zu teuer.
Im Januar sah ich mich wieder nach einem Kleid für den Ball um und stieß wieder auf dieses Kleid, doch diesmal war es runtergesetzt und ich war nur so: WUUUUHUUUU YEAHYEAHYEAH!
Ich zögerte nicht und bestellte sofort. Die Woche, in welcher ich auf das Kleid wartete, kam mir wie eine der längsten meines Lebens vor. Ich konnte kaum erwarten, dieses glänzende Etwas anprobieren zu können. Vor allem weil die Sorge, dass es nicht passen könnte, unendlich groß war.
Ich war nicht Zuhause, als das Paket ankam, meine Mutter war aber so lieb und rief mich sofort an, als es da war. Selten habe ich mich auf meinem Heimweg so beeilt, wie an diesem Tag.
Daheim angekommen schlüfpte ich raus aus meiner Jacke und in förmlich einer Bewegung rein in das Kleid. Und es saß wie angegossen.
Ich fühlte mich vom ersten Moment an sehr wohl darin und wollte es eigentlich nicht mehr ausziehen.
An einem Bügel hing es die ganze Zeit an meiner Schranktür, damit ich es immer im Blick hatte. Bis zu dem Tag des Balls.
Die anfingliche Sorge, wir Mädels könnten uns in unseren Kleider ähneln, verflog schnell. Nicht nur, weil wir alle verschieden Typen sind, sondern auch, weil wir ganz verschieden wirkten: Wir hatten eine natürliche Schönheit, eine Ballerina, ein äußerst sexy Sonnenscheinmädchen, eine sehr edle Geheimnisvolle und mich schimmerndes Gold.

Passend zu dem gold-schwarzen Kleid trug ich auf meinen Ringfingern Caviar Manicure von Ciaté. Auf den anderen Nägeln trug ich forever yummy von Essie und auf den Lippen 202 von Yves Saint Laurent.

Andere Mädchen trugen an diesem Abend bodenlange Roben und manche kamen in Partykleidern.
Fasziniert war ich vom dem Durchhaltevermögen der Mädchen und Frauen, welche den ganzen Abend auf ihren High Heels aushielten. Auch ich zog meine 13cm Schuhe erst aus, als wir uns auf den Heimweg machten.
Gestört hat es mich, als ich sah, dass ein Mädchen UGG Bots trug. Nicht nur, wegen meiner Einstellung diesen Schuhen gegenüber, sondern einfach weil ich finde, dass sie nicht zum Anlass passten.

 

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